Workshop Anspruch & Wirklichkeit der BR-Arbeit & -Kommunikation

Aus Bloghandbuch

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Ein intensives, forderndes, sehr anspruchsvolles Workshop, das in weiten Bereichen einem Führungskräftetraining entspricht und in anderen ähnlich einem Assessment-Center aufgebaut ist. Voraussetzung der Teilnahme ist, dass zwei Mitglieder einer BR-Körperschaft als Teams teilnehmen, wobei eine Person die oder der BR-Vorsitzenden (oder Stv) sein muss.


Entwicklung des Workshop-Angebots

Als Workshop mit seeeehr viel Vorlaufzeit (2013/14-2016) erlebte das risikofreudige Konzept Anfang Herbst 2016 seine Premiere und wurde von den TeilnehmerInnen des ersten Durchgangs begeistert beurteilt.

Ein Baustein der ersten WS-Ausschreibung, der in der Folge weggelassen wurde, weil sich die Integration von betreuenden SekretärInnen in das Workshop leider nicht umsetzen ließ, lautete:

An dem Workshop nehmen neben den TeilnehmerInnen aus Betriebsratskörperschaften auch mindestens zwei betreuende Sekretärinnen oder Sekretäre teil. Im Verlaufe der zweieinhalb Tage wird der Blick nie allein auf die einzelnen Betriebe und BR-Teams beschränkt bleiben. Fragen der Zusammenarbeit innerhalb unserer gewerkschaftlichen Organisation sollen integriert mitbehandelt. Wir wollen Erfahrungen, Analysen, Ansätze entwicklen, die als Bausteine einsetzbar sind ebenso für schlagkräftigere Betriebsräte wie für eine schlagkräftigere Gewerkschaft und für nächste noch spannendere Workshops.

Der zweite Durchgang fand im Frühjahr 2017 mit minimalen Adaptionen des WS-Konzepts statt und wurde von den TeilnehmerInnen dieses Durchgangs gemischter beurteilt und als zu anspruchsvoll bzw. intensiv kritisiert.

Der dritte und voraussichtlich letzte Durchgang ist für das Frühjahr 2018 geplant. Für diese dritte Durchführung ist auf Basis der Kritik des zweiten Durchgangs einiges überarbeitet worden. Die Dauer ist von zweieinhalb auf drei Tage ausgedehnt. Wie ursprünglich einmal vorgesehen, aber bei den ersten beiden Durchgängen nicht umgesetzt, werden zwei Workshop-Räume zur Verfügung stehen und an allen drei Tagen immer wieder parallel bespielt werden.

Ausschreibungstext

Titel: Anspruch & Wirklichkeit unserer Betriebsratsarbeit und -kommunikation (WS)
Utl.: Von der Reflektion über die Analyse zur Strategieentwicklung von Organisationsstärke


Es gibt viele Aspekte und Strategien, die ein BR unter einen Hut bringen muss: die Kommunikation in den Betrieb, in der Körperschaft, mit den Funktionären der Gewerkschaft, die Arbeit an der Solidarität in der Belegschaft, laufende interne Organisationsentwicklung, Fachkompetenzen für ganz unterschiedliche Bereiche, am besten eine vertrauensvolle Arbeitsteilung, die ein optimales Ausschöpfen von Handlungsmacht ermöglicht, Verhandlungstaktiken uvm. Immer wieder heißt es, sich einstellen auf neue Gegenüber, auf neue Rechtslagen, neue KollegInnen, neue Management-Strategien, neue Zusammensetzungen in der Körperschaft, …

Anspruch und Wirklichkeit sind angesichts dieser Herausforderungen schwer vereinbar. Verbesserungsspielraum gibt es immer, aber wie ist das im täglichen Arbeitsalltag unterzubringen, sich auch noch um eine Analyse der eigenen Aufstellung als BR zu kümmern und die Potentiale für mehr Durchsetzungskraft zu bearbeiten? Dazu bräuchte es einen geeigneten Raum abseits des Tagesgeschäfts. Es braucht einen Rahmen, in dem wir vom täglichen Geschäft etwas zurücktreten und mit Distanz und Ruhe auf das komplexe Feld aus Betrieb, Körperschaft, betreuenden SekretärInnen und Geschäftsführung blicken können.

Ein solches Umfeld stellt dieses neuentwickelte Workshop dar. Es bietet den Raum, einiges an Inputs, an spielerischen Aufgabenstellungen und Herausforderungen, an Austausch und Diskussion unter Betriebsräten und GewerkschafterInnen, um

  1. von der Reflexion unserer Situation über
  2. die nüchterne Bestandsaufnahme zu
  3. praktischer Strategieentwicklung zu kommen, wie wir mehr im Betrieb erreichen können und wie wir als Gewerkschaft stärker werden.


Inhalte
  • Überblick und Diskussion zu laufenden Organisationsentwicklungsprozessen und -ansätzen in der GPA-djp
  • Darstellung der unterschiedlichen Rollenbilder / Selbstverständnisse von BRs und GewerkschafterInnen
  • Übungen zu den Voraussetzungen, unter denen wir mit Arbeitgebern verhandeln und unter denen Ergebnisse von Verhandlungsprozessen präsentiert werden
  • kurze Inputs aus der Gruppen- und Konfliktsoziologie
  • Sammlung mit (1) wem wir (2) was an Inhalte, (3) wie nachhaltig über (4) welche Kanäle kommunizieren
  • Entwicklungsschritte zu betriebsspezifischen Kommunikationsstrategien
  • Diskussion der Hebel für mehr Organisationsstärke und Durchsetzungskraft im eigenen Betrieb


Workshop Design

Tag 1 (Dienstag)

  • Begrüßung und kurze Einführung ins WS-Konzept
Standortbestimmung

In diesem ersten Abschnitt geht es um das frühe/erste Herausarbeiten des Ist-Zustands pro Betrieb und BR. Dazu geht es um die Gegenüberstellung von Ansprüchen und Wirklichkeit sowie um die Zentrierung auf eine zentrale und aktuelle Problemlage/Herausforderung im Betrieb für den BR.

  • Vorstellungsrunde mit der Sammlung der Erwartungshaltungen und den jeweils anstehenden betrieblichen Problemlagen
  • BR-Teams arbeiten an ihren betriebsspezifischen Plakaten: Problemlage
  • Bestandsaufnahme einzeln auf Zetteln
    1. Ansprüche (BR-Arbeit & -Kommunikation)
    2. Wirklichkeit ( - " - )
  • wicked question 3er-Gruppen
Anspruch gewerkschaftlicher Bildung

Dieser Abschnitt reflektiert eingehend, was eigentlich Anspruch und Wirklichkeit gewerkschaftlicher Bildung ist und präsentiert das anspruchsvolle Arbeitsprogramm und die wissenschaftsbasierte Arbeitsweise im Workshop.

  • Input (Folien) zur Konstruktion des WS
  • Input/Vortrag zu politischer Bildung als gewerkschaftlicher Bildung.
  • Vorgriff auf weitere Inputs im späteren Verlauf zu: Konflikt, Gruppe, Info/Kommunikation/Wissen.
Kollektivvertragsverhandlung

Wir spielen im Workshop KV-Verhandlungen mit verteilten Rollen, (1) Verhandlungsteams, (2) MedienvertreterInnen, (3) Presseabteilungen von ÖGB, WKÖ, IV und (4) Angestellten- und Arbeiter-BR's.

  • schnelle Gruppenbildung, Rollenaufteilung und Anweisungen pro Gruppe. Sehr kurze Vorbereitungszeit.
  • Spiel der KV-Verhandlungen.
  • schnelle Deadline für alle PressearbeiterInnen, ihre Überschriften zu formulieren. Medienberichterstattung.
  • Reaktion der Angestellten- und Arbeiter-BR's.
  • Reflexion des Spiels in Kleingruppen: Emotionen, Beobachtungen, Erkenntnisse.
  • Diskussion in der großen Gruppe
  • Feedback und Analyse von Trainerseite
  • Umlegen der KV-Verhandlung-Situation auf Situation im Betrieb
Konflikte

Abschnitt, mit dem wir gezielt auf DEN Konflikt und DIE Konflikte schauen. Für einen Abschnitt lang stellen wir in den Mittelpunkt, womit wir zwar ständig zu tun haben, was wir in der Regel aber nie direkt ansprechen und viel eher unter den Tisch kehren.

  • Input (Folien) zur Theorie und Praxis sozialer Konflikte.
  • BR-Teams legen für sich fest, welchen grundlegenden Konflikt sie im Betrieb behandeln möchten.
  • Präsentation und Diskussion in 4er-Gruppen quer zu BR-Teams.
  • Arbeitsaufgabe, alle Personen und Gruppen im BR-Umfeld zu sammeln.
  • Arbeitsaufgabe, für Gruppen im Betrieb deren Interessen/Konflikte herauszuarbeiten.
  • BR-Teams ergänzen auf ihren Plakaten die Dimension des Konflikts.


Tag 2 (Mittwoch)

  • Rekapitulation des ersten Tags in 3er- oder 4er-Gruppen
  • Standortbestimmung auf 3-sektoraler Zielscheibe
Feedbackrunde zwischen BR-Teams

Mit diesem Abschnitt wird die Standortbestimmung zu Beginn des zweiten Tags konkret auf die fortlaufende Arbeit der BR-Teams im Workshop konzentriert.

  • zwei Galerierundgänge zu den BR-Plakaten mit Wechsel innerhalb der BR-Teams, wer herumgeht und wer das eigene Plakat präsentiert
  • BR-Teams arbeiten Feedback, Erkenntnisse, Anregungen ein
Gruppen und Gruppenverbände

Hier stellen wir nach dem Konflikt nun die Betrachtung der Gruppen und Gruppendynamiken einen Abschnitt lang in den Mittelpunkt der Betrachtung und Analyse.

  • Input/Vortag zur Theorie der sozialen Gruppen mit Diskussion
  • Input/Vortag zur Theorie der Gruppenverbände mit Diskussion
Kommunikation

Dieser Abschnitt rückt Kommunikation ins Zentrum der Analyse. Wir differenzieren dabei nach mehreren Kriterien. Zum einen unterscheiden wir zwischen Information/Daten, Kommunikation, Wissen und Mitbestimmung. Zum anderen arbeiten wir einzeln Kommunikationskanäle, -medien, -inhalte und -partnerInnen heraus.

  • Einzelnes brain-stormen aller Kommunikationskanäle
  • Input per Folien zu Kanälen und Medien sowie Kommunikationsverhalten und Mediennutzung entlang von Tagesabläufen
  • Diskussion über Intensität von Kommunikation/Kontakten/Inhalten in der Großgruppe
  • Input zu "Wie kommunizieren wir und wie kommunizieren wir richtig"
  • Erfahrungsaustausch zu (best-practise) in Kleingruppen
Syntheseschritt zu BR-Strategien

Wir versuchen die Erkenntnisse, Fragen, Bedenken, Herausforderungen entlang der bisherigen Schwerpunktsetzungen zusammenzuführen. Die Arbeit der BR-Teams an ihren eigenen betrieblichen Analysen und Strategien rückt immer mehr in den Mittelpunkt.

  • BR-Teams: Erkenntnisse zu Gruppen, Inhalte, Kanäle, Konflikten
  • Standortbestimmung in 3er-Gruppen quer zu Teams
  • Dynamic Facilitation
  • Feedback zum Workshop bisher: Standortbestimmung der BR-Teams im Prozess
  • BR-Teams gehen in Klausur
offene Sprechstunde

Zum Abschluss des zweiten Tages sollten die Eckpunkte der jeweiligen BR-Strategien klar sein. Dort wo das nicht so ist, können BR-Teams Hilfe einfordern. Alle BR-Teams können sich Feedback holen und eine erste Generalprobe ihrer Analyse- und Strategiepräsentation probieren ... oder in ihren Teams weiter an Analyse und Strategie arbeiten.

  • Standortbestimmung auf 3-sektoraler Zielscheibe
  • pro BR-Team wahlweise eigenständiges Arbeiten, Kurzpräsentation des eigenen Arbeitsstands oder Einzelcoaching


Tag 3 (Donnerstag)

Der Vormittag des dritten Tages steht ganz im Zeichen der Präsentationen der ausgearbeiteten betrieblichen Analysen und BR-Strategien.

  • Präsentation der Ansätze der BR-Arbeitsgruppen in zwei Räumen mit jeweils der Hälfte der TeilnehmerInnen
Aufstellung

Wir kommen noch einmal zur Differenzierung zwischen Anspruch und Wirklichkeit zurück und spielen Aufstellungen im Raum durch. Die Großgruppe ist auf beide Seminarräume aufgeteilt, BR-Teams bleiben zusammen.

  • TeilnehmerInnen stellen den BR (Körperschaft) und andere für sie relevante Personen/-Gruppen im Raum auf, zuerst das Soll, dann das Ist. Andere TN dürfen während der Aufstellung nicht eingreifen, nach der Aufstellung sollen sie aber ihre Wahrnehmungen mitteilen, zuerst die aufgestellten KollegInnen, dann die ZuschauerInnen.
  • Wechsel der aufstellenden TeilnehmerIn, je nach Zeitaufwand sollten mehrere Aufstellungen möglich sein.
  • Gruppendiskussion zur Methode der Aufstellung und Einsatzmöglichkeiten für den BR
Anspruch und Wirklichkeit der ArbeitnehmerInneninteressensvertretung

In diesem abschließenden Abschnitt vergrößern wir den Analysehorizont vom einzelnen Betrieb auf alle Spähren der Interessensvertretung.

  • Input zu OE-Prozessen in der GPA-djp und österreichischen Gewerkschaft allgemein.
  • Arbeitsgruppen zu Ebenen ‚Betrieb‘, ‚Branche‘ und ‚Gesellschaft‘
  • Präsentation im Raster von Dynamic Facilitation
Abschluss

Gemeinsame Bewertung und Nachbetrachtung der drei Workshoptage.

  • Dritte Standortbestimmung auf 3-sektoraler Zielscheibe
  • Feedbackrunde


Doku und Feedback

Hier der öffentliche Teil der Doku am Bildungsblog.

1. Durchgang, September 2016
2. Durchgang, Februar 2017
  • "Gutes und interessantes Seminar, wobei man mit der Zeit etwas besser haushalten kann, indem weniger ideologisches thematisiert wird. Und - der Themenblock war zu umfangreich - weniger ist mehr! Sonst - Danke dass ich dabei sein durfte."
  • "Nach den Pausen wären aktivierende Einheiten ganz gut gewesen, die Intervalle von Theorie und Gruppenarbeit könnten kürzer sein und sich mehr abwechseln. Ansonsten alles top!"